Akademie des Klinikums Osnabrück Kooperation Krankenpflege von Migranten kulturelle Hintergründe Universität von Çanakkal
Osnabrück - Andere Kulturen, andere Pflege
20. Juli 2010 | 09:26Osnabrück. Der kulturelle Hintergrund eines Menschen prägt seine persönlichen Gewohnheiten und Schamgrenzen, die auch in der Krankenpflege berücksichtigt werden müssen. Die Akademie des Klinikums Osnabrück und die Universität von Çanakkale in der Türkei sind deshalb eine deutschlandweit einmalige Kooperation eingegangen, um Kenntnisse auszutauschen und so die Krankenpflege von Westeuropäern in der Türkei sowie die Krankenpflege von Migranten in Deutschland zu verbessern.
Osnabrück. Der kulturelle Hintergrund eines Menschen prägt seine persönlichen Gewohnheiten und Schamgrenzen, die auch in der Krankenpflege berücksichtigt werden müssen. Die Akademie des Klinikums Osnabrück und die Universität von Çanakkale in der Türkei sind deshalb eine deutschlandweit einmalige Kooperation eingegangen, um Kenntnisse auszutauschen und so die Krankenpflege von Westeuropäern in der Türkei sowie die Krankenpflege von Migranten in Deutschland zu verbessern. Den Krankenpflegeschülern wird so schon während der Ausbildung vermittelt, wie sie in der Praxis kulturelle Missverständnisse vermeiden können.
Solche Missverständnisse können beispielsweise dann entstehen, wenn ein islamischer Patient operiert wird. In der islamischen Kultur ist es eigentlich üblich, den Patienten sofort nach der OP in Empfang zu nehmen und nicht mehr von seiner Seite zu weichen, um so große Wertschätzung und Fürsorge zum Ausdruck zu bringen. Dies lässt sich in den Aufwachräumen deutscher Krankenhäuser kaum verwirklichen.
Gleichzeitig kann man jedoch nicht alle über einen Kamm scheren: „Je nachdem, wie stark die Migranten in ihrer Religion verwurzelt sind, in der wievielten Generation sie in Deutschland leben oder aus welchem Milieu sie stammen, müssen wir den kulturellen Hintergrund schwächer oder stärker berücksichtigen“, erläutert Akin Sen, stellvertretender Leiter der Akademie am Klinikum und Initiator der Kooperation. Innerhalb der Ausbildung zum Krankenpfleger am Klinikum sind zwar schon 16 Stunden für die Lerneinheit „Menschen aus anderen Kulturen pflegen“ vorgesehen, aber: „Kein Buch kann Krankenpflegeschülern hinreichend erläutern, welchen Einfluss kulturelle Faktoren auf die Pflegeanforderungen haben. Für unsere Schüler sind die praktischen Erfahrungen von großem Vorteil“, so Sen. Jährlich werden sich Studierende der Hochschule für Gesundheitswissenschaften und die Schüler der Krankenpflegeschule des Klinikums von nun an wechselweise besuchen, um vor Ort Erfahrungen auszutauschen und hinzuzulernen. Bei den Studienbesuchen werden die Schüler und Studenten das Gesundheitssystem des Landes, die unterschiedlichen Ausbildungen und auch die Arbeit in einem Krankenhaus kennen lernen.
Aber nicht nur die Schüler und Studenten oder Patienten des Klinikums werden von dem Erfahrungsaustausch profitieren: Die Minderheit von Christen, die in der Türkei lebt, oder Westeuropäer, die in der Türkei Urlaub machen oder ausgewandert sind, werden im Krankheitsfall dort ebenso auf mehr Verständnis für ihre Gewohnheiten und Bedürfnisse stoßen.
Ermöglicht wurde die Kooperation durch die Unterstützung des Städtepartnerschaftsbüros der Stadt Osnabrück. Ihr Leiter, Jens Koopmann, hat durch die Kontaktaufnahme mit Osnabrücks türkischer Partnerstadt Çanakkale den Weg geebnet und die Entstehung des gemeinsamen Konzeptes bis zur Unterschrift begleitet. (PA)