Ausstellung „Fils de Chien“ Felix-Nussbaum-Haus Gemälde des Malers Pavel Feinstein Gemeinschaftsprojekt „Der Hund ist auch nur ein Mensc Verhältnis zwischen Mensch und Hund
Osnabrück - Pavel Feinstein: „Fils de Chien“
23. Februar 2010 | 10:47Osnabrück. Das Felix-Nussbaum-Haus zeigt vom 21. Februar bis 24. Mai unter dem Titel „Fils de Chien“ („Hundesohn“) Gemälde des in Berlin lebenden jüdischen Malers Pavel Feinstein. Die Ausstellung findet im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts „Der Hund ist auch nur ein Mensch. Beziehungsgeschichten!“ der Osnabrücker Kultureinrichtungen statt.
Osnabrück. Das Felix-Nussbaum-Haus zeigt vom 21. Februar bis 24. Mai unter dem Titel „Fils de Chien“ („Hundesohn“) Gemälde des in Berlin lebenden jüdischen Malers Pavel Feinstein. Die Ausstellung findet im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts „Der Hund ist auch nur ein Mensch. Beziehungsgeschichten!“ der Osnabrücker Kultureinrichtungen statt. Während der Vernissage am 21. Februar um 11.30 Uhr wird vor der Begrüßung durch Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler das musikalische Werk „To a minimal dog“ von John Gerrish uraufgeführt. Der Berliner Journalist Dr. Gerhard Charles Rump führt bei der Ausstellungseröffnung in das Werk Feinsteins ein.
„Bei den Planungen zu dem Osnabrücker Gemeinschaftsprojekt dachte ich zunächst, dass das Thema ‚Hund’ überhaupt nicht zum Felix-Nussbaum-Haus passt“, sagte die Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses, Inge Jaehner, bei der Vorstellung der Ausstellung. „Doch dann fiel mir der jüdische Maler Pavel Feinstein ein, dessen Bilder von Fischen wir in diesem Haus bereits 2001 gezeigt haben. Tiere, insbesondere Hunde, spielen in Feinsteins Œuvre immer wieder eine zentrale Rolle“.
Der Künstler Pavel Feinstein widmet sich in seinen altmeis-terlich wirkenden Stillleben und grotesken Genreszenen augenzwinkernd dem Verhältnis Mensch – Hund. Mit hintergründigem Humor stellt er das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinem treuesten Begleiter infrage.
Die Darstellung von Hunden in der Kunst ist ein Thema, dass die Künstler seit Jahrhunderten beschäftigt. Wie selbstverständlich nimmt der Hund seinen Platz in großen Meisterwerken der Kunstgeschichte ein. Seit der Frühen Neuzeit wird ihm ein eigenes Wesen zuerkannt, und in den Bildern wurde fortan die emotionale Bindung zwischen Mensch und Hund betont. Es entwickelte sich eine ganz eigene Ikonographie, in der der Hund vor allem für Liebe und Treue stand. Er konnte aber auch ein mächtiges Statussymbol sein.
Pavel Feinstein löst sich von den traditionellen Bedeutungen und gibt seinen Figuren und Gegenständen Raum für neue Interpretationen. In seinen Bildern ist das Verhältnis zwischen Mensch und Hund nicht mehr eindeutig positiv, sondern wird stets mit einem Augenzwinkern vorgeführt. Der Maler siedelt die Agierenden in unbestimmten Innen-räumen oder landschaftlichen Szenerien an, die dem Alten Testament entlehnt sein könnten.
Es geht dem Künstler um die Darstellung allgemein menschlicher Situationen und Konflikte, die den Rückbezug auf Literatur nicht leugnen, jedoch auch keine reinen Illustrationen sind. Die Kompositionen bleiben immer unergründlich und rätselhaft.
Die Ausstellung „Fils de Chien“ mit Gemälden von Pavel Feinstein zeigt, dass jüdische Themen nicht immer mit dem Holocaust zu tun haben müssen und durchaus auch eine humorvolle Seite haben können. Feinsteins Bilder schaffen dabei eine Verbindung zwischen jüdischer Identität und hintergründigem jüdischen Witz. Darin sind sie den karikaturhaften Darstellungen des Hundes in einigen frühen Bildern Felix Nuss-baums durchaus verwandt.
Die Bilder Feinsteins werfen verschiedene Fragen auf: Was vermag der Hund in der heutigen Zeit zu versinnbildlichen? Welche Rolle spielt der Hund speziell in der jüdischen Kultur? Wird aus dem Impuls des Le-bens, Denkens und Gestaltens in jüdischer Tradition die Ikonographie des Bildes vom Hund um ein neues Thema erweitert?
Pavel Feinstein wurde 1960 in Moskau geboren. Eine erste künstlerische Ausbildung erhielt er an der Kunstfachschule im tadschikischen Duschanbe. Im Alter von 20 Jahren emigrierte Pavel Feinstein aus der Sowjetunion und ließ sich in West-Berlin nieder. (PA)