Entwicklung der Satdt Osnabrück seit dem Mittelalter Osnabrücker Geschichte Stadt- und Kreisarchäologie
Von der alten Domburg zum Handelszentrum an der Hase
20. Oktober 2008 | 10:30Mittelalter in der Stadt erleben.
Wer sich in Osnabrück bewegt sieht schnell, dass die heutige Stadt ihren Kernpunkt am Dom hat. Vieles hat sich in den gut 1250 Jahren Stadtgeschichte getan, manches aus den Ursprüngen kann man aber noch heute sehen, wenn man weiß, wo man hingucken muss. Die Stadt- und Kreisarchäologie bietet dem geschichtsinteressierten Besucher jetzt mit einer kleinen Mappe sechs Stationen mit Informationen zum Beginn und Aufstieg der Stadt im Mittelalter.
Einen guten Blick auf die Keimzelle der heutigen „Hasemetropole“ erhält man von der Theatertreppe, wo zum Tag des offenen Denkmals die erste Station der sechsteiligen Tour stand. „Die genaue Fassade der ersten Dombauten kennen wir leider nicht,“ berichtet Bodo Zehm, Leiter der Stadt- und Kreisarchäologie, „allerdings wissen wir aus den Fundamentfunden, dass die Kirche nach Erhebung zum Bischofssitz nur unwesentlich kleiner war als der heutige Dom.“ Für die Zeit um das Jahr 800 eine beeindruckende Bauleistung.
Für die Gründung, die für den Bereich der damaligen sächsischen Stammesgebiete die erste koordinierte Christianisierungsaktion war, hatte sich das Frankenreich strategisch günstige Orte ausgesucht, um Domburgen zu errichten. Im Falle Osnabrücks bot eine Sandkuppe inmitten der damals noch weit verzweigten Haseniederungen einen guten Startplatz. Auf einer weiteren Erhebung entstand die Marienkirche. Die früher deutlich vorhandenen Höhenunterschiede und Gräben wurden nach und nach verfüllt, eine gewisse Unebenheit im Stadtprofil kann man aber heute noch erkennen.
Die Menschen selber lebten rund um die Domburg in einfachen Holz- und Lehmhütten. Vor allem handwerkliche Werkstätten waren in so genannten Muldenhäusern untergebracht. Zuerst kamen der Klerus und seine Bediensteten, dann folgten Händler und Kaufleute an den neuen Bischofssitz. Auf die Tatsache, dass die Domburg wirklich die Keimzelle der Stadt war, deuten verschiedene archäologische Funde der letzten Jahre hin. „Wir haben im Bereich der Schwedenstraße einen hölzernen Kastenbrunnen gefunden, der aus dem 780 datiert und einen Holzstapel, der sogar auf das Jahr 772 bestimmt werden konnte,“ erklärt Archäologin Ellinor Fischer. „Diese Funde lagen allerdings schon außerhalb der eigentlichen Domburg.“
Nach den Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte hat sich das Modell der Keinzelle der Stadt deutlich gewandelt. Zuerst gingen die Archäologen von einer sehr kleinen Domburg aus. Im vergangenen Jahrhundert wuchs dann das Bild der historischen Anlage auf überdimensionale Größen an, die sich allerdings mit den Grabungen der letzten Jahrzehnte nicht bestätigen konnten. So gehörte beispielsweise der Bereich des heutigen Marktplatzes wohl nicht mehr dazu.
Die heutige Große Straße war schon in früherer Zeit eine wichtige Verbindung. besonders in nord-südlicher Richtung ist ihr Verlauf im Bereich der heutigen Johannisstraße, Iburger Straße und Frankfurter Heerstraße bis in den Hessischen Raum hinein recht gut belegt. Nach Norden führte der Weg über Wallenhorst bis an die Nordsee, Allerdings kann man sich die mittelalterliche Straße nicht wie eine moderne Straße oder eine antike Stadt-Straße vorstellen. Die Wege im Mittelalter waren bessere Pfade, die besonders im Bereich um die Städte mit einer Unterlage aus Geäst befestigt wurden.
Die Mappe mit allen sechs Stationen zur Stadtgeschichte ist im Museumsshop am Kulturgeschichtlichen Museum und in der Tourismus-Information erhältlich. R.S.
Diesen Holzstapel, der im Bereich der Schwedenstraße gefunden wurde, konnten Archäologen auf das Jahr 772 datieren. Foto: privat
