über 500 Jahre alte Tradition Handgiftentag Osnabrück
Wieder „Handgiftentag“ im Rathaus
29. Dezember 2008 | 12:24Über 500 Jahre alte Tradition erinnert an Anfänge städtischer Selbstverwaltung.
Nach einem aus dem späten Mittelalter überlieferten Brauch begeht der Rat der Stadt Osnabrück am Freitag, 2. Januar, wieder den Handgiftentag. Die festliche Zusammenkunft mit zahlreichen Ehrengästen, bei der mit einem kräftigen Händedruck die Bereitschaft, zum Wohl der Allgemeinheit tätig zu werden, besiegelt wird, beginnt um 18 Uhr im Friedenssaal des historischen Rathauses. Der Tradition folgend hält Oberbürgermeister Boris Pistorius einen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse des Vorjahres und skizziert die Ziele, für die er sich im neuen Jahr besonders einsetzen möchte. Im Rahmen der Feier wird Bischof Dr. Franz-Josef Bode die Justus-Möser-Medaille für sein Engagement für die Ökumene und den interreligiösen Dialog verliehen.
Die Entstehung des Handgiftentages („Handgifften-Dag“,1348; „Handgiftentach“, 1613) ist mit den Ursprüngen der städtischen Selbstverwaltung eng verbunden. Damals reichten sich die an den komplizierten alljährlichen Ratswahlen beteiligten Wahlmänner die Hände als Zeichen guter und ehrbarer Absichten. Die aus dem Jahr 1348 in mittelalterlicher niederdeutscher Sprache überlieferte Sate, die Verfassung der Stadt Osnabrück, beschreibt, was diesen Januartag in Osnabrück einst auszeichnete: „…jeder Bürger, der einen eigenen Hausstand innerhalb Osnabrücks hat, ohne jene, die im Rat gesessen haben, soll jedes Jahr am Tag nach Neujahr zum Rathaus gehen, wo man die Ratsherren wählen soll, sobald die Glocke läutet; wer das nicht tut, den soll man mit drei Schillingen Osnabrückischer Münze bestrafen, wie es der Stadt altes Recht ist“. Die Sate wurde alljährlich am Handgiftentag vom Stadtschreiber vor der versammelten Gemeinde verlesen. Eine Glocke der benachbarten Marienkirche verkündete, dass die Wahl vollzogen war.
Der „Handgiftentag“ ist eine Osnabrücker Tradition. Foto: privat
