Landrat Manfred Hugo Nike RWE Thomas Birr VEW Wittlage
RWE: 100 Jahre Strom im Landkreis Osnabrück
2. März 2009 | 12:06Strom für die Region.
„Odo Marquard, der bekannte deutsche Philosoph, hat die Existenzfragen auf den Punkt gebracht mit seiner Aussage: „Zukunft braucht Herkunft.“ Und genau deswegen sind wir heute hier“, erklärte am vergangenen Mittwoch Thomas Birr, Vorsitzender des Vorstandes der RWE Westfalen-Weser-Ems AG in Wittlage.
An diesem Tag jährte sich zum 100. Mal der Tag, an der die Weichen für die Stromversorgung für das Osnabrücker Land gestellt wurden. In den Räumen der Burg Wittlage wurde am 25. Februar 1909 der regionale Stromversorger, die „Hannoversche Kolonisations- und Moorverwertungsgesellschaft mbH“, Hakumog, gegründet. Firmensitz war Osnabrück. Zweck des Unternehmens war die Gewinnung und die Verwertung von Torf, der u. a. für die Stromversorgung eingesetzt werden sollte.
Die RWE hat auf einigen Stellwänden die vier wesentlichen Etappen der Hakumog und ihrer Nachfolgegesellschaften, nämlich der Nike, also der Niedersächsischen Kraftwerke AG, und der heutigen RWE Westfalen-Weser-Ems AG, dargestellt.
„Vor 100 Jahren war die Zeit reif für Elektrizität. Die Dampfmaschine als „Arbeitspferd“ der Industrie war um Dieselmotoren (1892) ergänzt bzw. von diesen Aggregaten ersetzt worden“, erklärt Birr die Beginne der Elektrifizierung in der Region Osnabrück. Am Anfang nahm man als Energieträger für die Elektrifizierung dieser Gegend - also für die vor 100 Jahren zukunftsweisende Energieversorgung - den Rohstoff, den man hier vorfand: Torf.
Torf gab es in der Region ausreichend, er lag im Gegensatz zu Holz oder zu Steinkohle, die von weit her gebracht werden musste, vor der Haustür. Nun hat Torf nur einen geringen Brennwert. Das fiel zur damaligen Zeit allerdings - auch wegen der gering ausgebauten Verkehrsinfrastruktur – kaum ins Gewicht.
Trotzdem war die Torfverstromung so schwierig, dass bald anderen Ideen gesucht werden mussten. Als Lösung bot sich dann, im nahegelegenen Ibbenbüren, ein konventionelles Kohlekraftwerk zu bauen, das direkt aus der benachbarten Zeche versorgt wird. Heute noch ist Ibbenbüren bekanntlich ein traditioneller Zechen- und Kraftwerksstandort.
Die Hakumog war der Nukleus der Stromversorgung im Osnabrücker Land, wurde aber schon nach drei Jahren in wesentlichen Teilen ihrer Aufgaben von der Niedersächsischen Kraftwerke AG, also der Nike, abgelöst. Nike übernahm von der Hakumog das Torfkraftwerk in Schweege, das Leitungsnetz und die Stromlieferungsverträge. Am Rande angemerkt sei, dass die Hakumog allerdings noch über Jahrzehnte weiter existierte und erst vor wenigen Jahren, damals dann aber als Hakumag endgültig aus dem Handelsregister verschwand.
Die Elektrizität entwickelte sich zu einem richtigen „Renner“. In Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft lösten Elektromotoren Verbrennungsmotoren ab, in Haushalten wurden Kerzen und Gasbeleuchtung durch elektrisches Licht ersetzt. Und wegen dieser steigenden Nachfrage bei gleichzeitig sinkenden Preisen folgte der Bedarf, eine Überlandversorgung aufzubauen. Die wiederum war kapitalintensiv, so dass die Nike als Partner das Rheinisch-Westfälische-Elektrizitätswerk in Essen fand. 1926 übernahm RWE sämtliche Nike-Aktien und die Stromversorgung der weiter westlich gelegenen Kreise Meppen und der Grafschaft Bentheim. Für die wurde eigens die Rheinisch-Westfälische-Elektrizitätsversorgungsgesellschaft Osnabrück (RWEVO) gegründet.
Mit der Überlandversorgung verliert die regionale Basis der Stromerzeugung für den Osnabrücker Raum an Bedeutung. Über RWE wird die Gegend mit den Braunkohlekraftwerken im Rheinland und mit den Wasserkraftwerken in den Alpen verbunden.
Letzte große Zäsur in der Stromversorgung ist der Zusammenschluss von RWE und VEW das Jahr 2000. Durch diese Fusion geht das ehemalige VEW-Gebiet um Lingen, das bislang die RWE-Gebiete Osnabrück und Emsland trennte, ineinander über. Es entstand eine regionale Einheit, wie wir sie heute durch die Regionalcenter Osnabrück und Nordhorn abbilden. Diese sind zwei der fünf Regionalcenter der RWE Westfalen-Weser-Ems, die 2003 gegründet wurde.
In der Lesart meiner Kollegen aus Osnabrück heißt es: Jetzt hat die NIKE die VEW übernommen.
Seit 1973 baut RWE ein Standbein in der Region auf. RWE beginnt mit der Erdgasversorgung. Insoweit hatten die Nike und der Osnabrücker Raum einen gewissen Vorzeigecharakter, weil hier Strom und Gas geliefert wird.
R.S.
Landrat Manfred Hugo, Thomas Birr, Vorstandsvorsitzender der RWE Westfalen-Weser-Ems AG und Walter Roppes, Leiter des Regionalcenters Osnabrück. Foto: Schäfer
