Berufsvorbereitung auf Haupt- und Realschulen Osnabrück Prof. Dr. Lothar Beinke Studie
Zwischen Beruf und Ausbildung
23. März 2009 | 13:25Studie über die Unsicherheiten von Jugendlichen beim Übergang in den Beruf.
Wichtige Vorbereitung: Die Berufsorientierung der Schülerinnen und Schüler gehört zu den Kernaufgaben von Haupt- und Realschulen. Doch mit der Entscheidung für einen Beruf und selbst mit einem unterschriebenen Ausbildungsvertrag ist der Übergang von der Schule in den Beruf noch nicht geschafft. Das zeigt eine neue Studie von Prof. Dr. Lothar Beinke, emeritierter Berufspädagoge der Universität Gießen.
Beinke hatte Befragungen an Schulen im Osnabrücker Land durchgeführt und stellte die Ergebnisse jetzt dem Bildungsdezernenten des Landkreises Osnabrück, Matthias Selle, im Kreishaus vor. „Die hohen Abbrecherquoten in den ersten Wochen einer Ausbildung sind ein Signal dafür, dass Jugendliche besondere Unsicherheiten haben“, so Beinke. Es müsse noch mehr für einen realistischen Einblick in die Praxis der Ausbildung und einen reibungslosen Übergang in die Ausbildung getan werden. Die größte Unbekannte für die jungen Menschen sei die Haltung der Ausbilder: „Weder ihre exakte Funktion, noch ihre Aufgaben im Betrieb oder ihr konkreter Beitrag für eine erfolgreiche Ausbildung sind bekannt.“
Das jedenfalls ist das Ergebnis der Befragung von 785 Schülerinnen und Schülern aus den 10. Klassen der Haupt- und Realschulen in Stadt und Landkreis Osnabrück. Bestätigung fand Beinke in der Befragung von 480 Berufsschülern über die ersten Eindrücke in der Ausbildung: Der Wechsel von der Bezugsperson Lehrer zum betrieblichen Ausbilder machte der Hälfte der Befragten durchaus Schwierigkeiten.
Für Kreisrat Selle sind die Ergebnisse bezeichnend für die Entwicklung an den Berufsbildenden Schulen: „Es gibt viele Jugendliche, die bewusst und gezielt von der Haupt- oder Realschule in Berufsfachschulen wechseln, obwohl sie das Zeug zu einer betrieblichen Ausbildung haben.“ Der vermeintlich bequeme Weg führe dann nicht selten in die Sackgasse jahrelanger Warteschleifen im Schulsystem.
Auch diese Tendenz kann Prof. Beinke empirisch untermauern. Auf die Frage, welche Lehrform sie sich in der Ausbildung wünschen würden, zog die Mehrheit der Schüler den passiven Lehrervortrag einer aktiven Mitwirkung beim Lösen praktischer betrieblicher Aufgabenstellung vor.
Die Studie „Berufsvorbereitung und Berufseinstieg“ von Prof. Dr. Lothar Beinke ist im Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main erschienen. (PA)