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Karmann ist insolvent
14. April 2009 | 09:54Wer ist schuld am Fiasko? - Geschäftsführung und Gewerkschaften beschuldigen sich gegenseitig.
„Die Geschäftsführung der Wilhelm Karmann GmbH hat heute beim Amtsgericht Osnabrück Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Grund ist die drohende Zahlungsunfähigkeit angesichts bevorstehender finanzieller Verpflichtungen.“ Mit dieser Nachricht schockte der Osnabrücker Autobauer am Mittwoch die Öffentlichkeit. Für rund 3700 Mitarbeiter in Osnabrück und Rheine steht jetzt alles auf dem Spiel.
Die Geschäftsführung hält den Konzern für „im Kern sanierungsfähig“. Für die nun drohende Zahlungsunfähigkeit sei der im vergangenen Jahr ausgehandelte Sozialplan hauptverantwortlich. Die fehlende Nachfrage, die den Konzern in Folge der Wirtschaftskrise schwer getroffen habe, mache eine Erfüllung der gegebenen Versprechen unmöglich.
Für die Gewerkschaften ist hingegen die Geschäftsleitung schuld an der Misere. Fehlerhafte Entscheidungen des Managements hätten den Autobauer in die Schieflage gebracht. Man könne nicht hinnehmen, dass die Probleme jetzt auf dem Rücken der Belegschaft abgewickelt werden Der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann will das Traditionsunternehmen möglichst fortführen. Karmann verfüge über eine motivierte Mannschaft, eine große Marke mit Strahlkraft und gute Beziehungen zu Kunden und Lieferanten, sagte der Rechtsanwalt am Donnerstag. Auch in Politik und Wirtschaft sorgte der Insolvenzantrag für Aufregung: Gabriela König (FDP): „Besondere Anstrengungen müssen sich darauf richten, einen Investor für Karmann zu finden, um den Betrieb so vor der kompletten Schließung zu bewahren. Der Standort muss auf jeden Fall erhalten bleiben.“
Wichtig sei, dass der Insolvenzverwalter den abgeschlossenen Sozialplan jetzt nicht aufkündigt. Die Möglichkeit einer Transfergesellschaft für die Beschäftigten, die das Unternehmen verlassen müssen, muss erhalten bleiben, um hier wenigstens eine gewisse Brücke zu bauen, betonten Burkhard Jasper und Dr. Mathias Middelberg für die CDU.
Marco Graf (IHK): „Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch bei uns inzwischen tiefe Spuren. Die Kommunalpolitik ist deshalb gut beraten, die Unternehmen gerade jetzt nach Kräften zu unterstützen.“ R.S.