Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2009 Henning Mankell Lukas Bärfuss Osnabrück Schriftsteller
Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2009
14. April 2009 | 10:51Henning Mankell erhält Sonderpreis für Lukas Bärfuss.
Seit 1991 verleiht die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre den nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannten Friedenspreis. In diesem Jahr wird die Auszeichnung zum zehnten Mal vergeben.
Den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erhält der 1948 in Stockholm geborene schwedische Theaterregisseur und Schriftsteller Henning Mankell für sein Afrika-Werk. Der 1971 in Thun geborene Schweizer Dramatiker und Autor Lukas Bärfuss erhält den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis für sein Afrika-Buch „Hundert Tage“. Beide Preisträger verbindet eine ausdrucksstarke engagierte literarische Auseinandersetzung mit den Konflikten des Kontinents Afrika vor dem Hintergrund von Kolonialismus und Neokolonialismus.
Die Preisverleihung findet am Freitag, 18. September, um 11 Uhr, im Friedenssaal des historischen Rathauses der Stadt Osnabrück statt.
Henning Mankells Verbindung zu Afrika entstand schon 1972, als er zum ersten Mal nach Sambia reiste. 1986 übernahm er die Leitung des Teatro Avenida in Maputo/Mosambik, wo er bis heute mehr als die Hälfte des Jahres verbringt. Seitdem ist Afrika die zweite Heimat des schwedischen Autors. Sein Leben und Engagement vor Ort inspirierte ihn zu seinem variationsreichen Afrika-Werk, das dem Werk Erich-Maria Remarques auf eindrucksvolle Weise entspricht. Hervorzuheben aus seinen vielen mit Afrika befassten Büchern sind „Der Chronist der Winde“ und „Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt“, vor allen aber „Die flüsternden Seelen“ - ein historisches und zugleich poetisches Werk, das weltliterarischen Rang hat.
Lukas Bärfuss gehört zu den erfolgreichsten Dramatikern der vergangenen Jahre. Seine Stücke werden weltweit gespielt. Mit „Hundert Tage“ hat er seinen ersten Roman vorgelegt, der auf großes öffentliches Interesse gestoßen ist. Erzählt wird die Geschichte eines moralischen Irrtums, der in Ruanda eines der größten Verbrechen des Jahrhunderts ermöglichte. Der Roman über den Bürgerkrieg in Ruanda thematisiert ein dunkles Kapitel der Geschichte Afrikas, in das Europa tief verstrickt ist. „Hundert Tage“, ein minutiös recherchierter Roman der Extreme, offenbart das Drama der Schweizer Entwicklungshilfe in Ruanda, als 1994 der Völkermord begann.
Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Claus Rollinger, Präsident der Universität Osnabrück, gehören der Jury Prof. Heinz Ludwig Arnold, Prof. Dr. Hans Mommsen, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Dr. Hubert Winkels sowie Prof. Dr. Tilman Westphalen als Vertreter der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft und als Vertreter der Stadt Osnabrück Oberbürgermeister Boris Pistorius, Jutta Sauer, ehemalige Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen und freie Autorin, sowie der städtische Pressesprecher Dr. Sven Jürgensen an.
Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wurde bisher vergeben an Leoluca Orlando (2005) und Prof. Dr. Tony Judt (2007).
Sonderpreise erhielten Juri Andruchowytsch (2005) und Grigori Pasko (2007). (PA)