Europäisches Grabungscamp Good Grabung in Kalkriese Jugendliche erleben Archäologie in Kalkriese Pöttering in Kalkriese
Bramsche/Grabung:Good Grabung: „Wir haben schon einiges gefunden!“
20. Juli 2009 | 18:19In Kalkriese erleben die jugendlichen Teilnehmer des europäischen Grabungs-camps die Arbeit der Archäologen hautnah.
Es regnete in Strömen, als Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering am Freitag, 10. Juli, vom Europäischen Parlament in Kalkriese ankam. Als Präsident des EU-Parlaments begrüßte er die Teilnehmer des europäischen Grabungs-camps. Zwei Wochen lang erlebten acht Jugendliche von 16-18 Jahren den Alltag der Archäologen im Museumspark Kalkriese hautnah. Von heute bis zum 1. August werden 12 weitere Teilnehmer bei der Ausgrabung mitarbeiten. Nach dem Motto „Vom Schlachtfeld zum Lernfeld“ wollen die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern Europas aus der Vergangenheit lernen. Dies ist ein Grund, warum für Pöttering trotz des Regens ein schöner Tag war. Als zweiten Grund nannte er, dass junge Menschen als Europäer zusammenkommen und durch gemeinsame Aktivitäten ihr interkulturelles Verständnis stärken.
Zusammen mit den Veranstaltern des Camps, Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht, dem Lions Club Osnabrück-Penthesilea und dem Rotary Club Osnabrück-Süd ließ sich Pöttering das Grabungsfeld zeigen. Auch Felicitas Egerland von der Werner-Egerland-Stiftung unterstützt das Projekt und war mit vor Ort. In einem Mix aus englisch und deutsch erzählten die Jugendlichen und die Leiterin der archäologischen Abteilung und Organisatorin des Grabungs-camps, Dr. Susanne Wilbers-Rost, von ihrer Arbeit. Ausgerüs-tet mit einem Spaten demonstrierten sie, wie Archäologen bei Ausgrabungen vorgehen.
Obwohl die Jugendlichen erst seit fünf Tagen vorsichtig eine Schicht nach der anderen in dem Feld freigelegt hatten, haben sie schon einiges gefunden: Bronze- und Silberfragmente, Münzen und zwei Anhänger, die zu einem Pferdegeschirr gehörten, zählten die beiden deutschen Teilnehmer Simon Spindeldreier und Camillo Schüler mit leuchtenden Augen auf.
„Mir ist es egal, ob es regnet oder ob es dreißig Grad warm ist und die Sonne scheint. Mir macht es auf jeden Fall sehr viel Spaß! Schon als Kind hat mich die Archäologie interessiert und ich kann mir gut vorstellen, später Archäologie zu studieren“, erklärte Simon seine Motivation und ergänzte: „Jetzt weiß ich, wie die Arbeit in der Praxis abläuft.“
Camillo erläuterte den Tagesablauf. „ Jeden Tag um 8.30 Uhr versammeln wir uns hier auf dem Feld und arbeiten bis etwa 13 Uhr. Dann gibt es Mittagessen.“ Kommen zwischen 12 und 12.30 Uhr interessierte Besucher aus dem Museum an ihrem Grabungsfeld vorbei, können sie sich vor Ort über die archäologischen Tätigkeiten informieren. Frau Wilbers-Rost und die Teilnehmer des Camps nehmen sich dann Zeit, Fragen zu beantworten und von ihren Funden und Erlebnissen aus dem Camp zu berichten.
Gegraben wird auf zwei verschiedenen Flächen. Einmal mitten im Park und einmal in der Wallanlage, die den Germanen als Hinterhalt diente. Mithilfe der Funde wollen sie nicht nur militärische, sondern auch kulturelle und sozialgeschichtliche Sachverhalte rekonstruieren. „Wir fragen uns zum Beispiel, wie das menschliche Verhalten nach der Schlacht war; was mit den Toten und Verletzen auf dem Schlachtfeld passiert ist oder auch wie die Beute aufgeteilt wurde“, so Wilbers-Rost. „Das sind ganz neue Aspekte in der Schlachtfeldarchäologie. Gerade deshalb sind diese Grabungen für uns so spannend“, fügte sie hinzu. M.z.H.