EU-Projektes Partner Finnen Gast im Landkreis Osnabrück Schlachtbetriebe nach EU-Recht Veterinärdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück
Melle - Finnen zu Besuch in Melle
22. Dezember 2009 | 13:41Melle. Es war ein kalter Dezembermorgen am vergangenen Donnerstag auf dem Hof Thöle in Melle. Während ein Teil der siebenköpfigen Gruppe den Schäferhof mit angegliederter Schlachterei besichtigte, augenscheinlich frierte, waren die Temperaturen für Maaren Angeli und Janne Näkkäläjärvi eher im Normalbereich anzusiedeln.
Melle. Es war ein kalter Dezembermorgen am vergangenen Donnerstag auf dem Hof Thöle in Melle. Während ein Teil der siebenköpfigen Gruppe den Schäferhof mit angegliederter Schlachterei besichtigte, augenscheinlich frierte, waren die Temperaturen für Maaren Angeli und Janne Näkkäläjärvi eher im Normalbereich anzusiedeln. Die beiden Finnen waren zu Gast im Landkreis Osnabrück, um sich über die veterinärrechtlichen Anforderungen eines Schlachtbetriebes zu informieren.
Eingeladen hatte dazu der Veterinärdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück. Den Hintergedanken des Besuchs erklärte Fachdienstleiter Dr. Jörg Fritzemeier: „Die finnischen Rentierzüchter suchen im Rahmen eines EU-Projektes Partner, die ihnen Anregungen zum Aufbau ihrer Schlachtbetriebe geben. Unsere Gäste informieren sich jetzt aber erstmal darüber, wie hier ähnlich strukturierte, kleinere Schlachtbetriebe die Anforderungen des EU-Rechtes erfüllen.“ Angeli und Näkkäläjärvi waren aus dem finnischen Sami-Zuchtbezirk angereist, in dem es 19 Rentierschlachtereien gibt, die überwiegend im Besitz von Weidegemeinschaften, also der Rentierbesitzer, sind.
Das Anliegen der Nordeuropäer: Sie wollen mit der Hilfe aus dem Osnabrücker Land ihre Fleischproduktion rentabler gestalten. Und: In Zukunft sollen auch die bei der Schlachtung der Rentiere anfallenden Nebenprodukte effektiv genutzt werden. „In der finnischen Tradition ist es so, dass vom Rentier nur die Seele entschlüpft, alles andere aber genutzt wird“, berichtete Angeli. Auch wenn das eine gute Voraussetzung sei, habe man noch Nachholbedarf. Problematisch seien vor allem die kleinteilige Betriebsstruktur mit großen Wegen von Rentierhalter zu Rentierhalter und die Umsetzung des EU-Rechtes. Deshalb suche man jetzt nach Partnern für die Weiterentwicklung der Schlachtbetriebe unter Versöhnung der rechtlichen Anforderungen mit den Besonderheiten der Rentierhaltung.
Und da eignet sich das Anschauungsbeispiel des Schäferhofes Thöle in Melle in idealer Weise. „Hier wird seit Jahren gut gearbeitet“, sagte Fritzemeier. „Die geschlachteten Schafe stammen alle aus der eigenen Herde, und das Fleisch wird ausschließlich regional vermarktet. Man kann in diesem Fall sicherlich von einem Vorzeige-Erzeuger im Osnabrücker Land sprechen, was durch die vor kurzem erteilte Zulassung nach EU-Recht unterstrichen wird.“ Und bei so viel Lob störte es die finnische Delegation auch nicht, dass es sich hier bei den Rentieren eigentlich um Schafe handelt. „Wir haben viele interessante Anregungen und wichtige organisatorische Dinge mitgenommen“, resümierte Näkkäläjärvi. (PA)