Ausstellung „Auch wir hatten einen Russen – Zwangsa Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Osnabrück Zwangsarbeit im kirchlichen Dienst
Osnabrück - „Die schlimmste Erfahrung meines Lebens“
26. Januar 2010 | 10:26Osnabrück. Die Erinnerung an ihren Aufenthalt in Osnabrück belastet Krystina S. noch heute: „Die Zeit in Osnabrück war die schlimmste Erfahrung meines Lebens“, erinnert sich die ehemalige Zwangsarbeiterin mit Schrecken an die Monate zwischen dem April 1941 und dem September 1942.
Osnabrück. Die Erinnerung an ihren Aufenthalt in Osnabrück belastet Krystina S. noch heute: „Die Zeit in Osnabrück war die schlimmste Erfahrung meines Lebens“, erinnert sich die ehemalige Zwangsarbeiterin mit Schrecken an die Monate zwischen dem April 1941 und dem September 1942.
Den erzwungenen Arbeitseinsatz im kirchlichen Dienst thematisiert die Ausstellung „Auch wir hatten einen Russen – Zwangsarbeit und katholische Kirche im Bistum Osnabrück“, die am kommenden Dienstag, 26. Januar, um 18 Uhr in den Niels-Stensen-Kliniken Marienhospital Osnabrück eröffnet und dort bis zum 18. Februar zu sehen sein wird.
Die Fälle der heute 87-jährigen Polin und ihrer beiden Schwestern sind dabei nicht untypisch. Die 17-jährige Krystyna S. und ihre drei Jahre ältere Schwester Helena wurden auf der Straße ihres Heimatortes Kielce bei einer deutschen Vergeltungsaktion für Partisanenanschläge aufgegriffen und nach Osnabrück deportiert, nachdem man den jungen Frauen den Kopf kahl geschoren hatte. Beide Schwestern arbeiteten vom 6. April 1941 an als Hausmädchen im Marienhospital, wo ihre Schwester Aniceta bereits seit dem 27. September 1940 tätig war.
„Ich habe darum gebeten, in Osnabrück eingesetzt zu werden, weil Aniceta dort lebte“, erinnert sich Krystyna S. und räumt ein, dass es ihr im Marienhospital im Vergleich zu anderen Einsatzorten noch verhältnismäßig gut ergangen sei. Die Ordensschwestern vom Heiligen Karl Borromäus hätten sie gut behandelt: insbesondere eine ältere Nonne, die sie noch heute als „moja mama“ – „meine Mama“ - bezeichnet.
Allerdings sei ihr die Arbeit nicht zuletzt wegen ihres zierlichen Körperbaus sehr schwer gefallen: Putzen, Straße säubern, alles „erledigen, was eben zu tun war“ - ohne Pausen und freie Tage und ohne den Besuch von Gottesdiensten. Übernachtet habe sie gemeinsam mit ihrer Schwester Aniceta im großen Raum eines Nebengebäudes, der durch Bretterverschläge in einzelne „Holzkäfige“ unterteilt worden war. Während ihre Schwestern bis 1944 im Marienhospital blieben, konnte Krystyna bereits im September 1942 auf eine schriftliche Anfrage ihrer Mutter hin nach Polen zurückkehren, weil ihr Vater schwer erkrankt war. Hier setzte die Arbeitsverwaltung sie in einem Lazarett ein, wo sie bis zum Kriegsende als Hilfskrankenschwester arbeitete.
Mit Krystyna S. steht das Bistum Osnabrück noch heute in Kontakt. Diesen hält die Historikerin im Bistumsarchiv, Urszula Ornat, die selbst Enkelin einer ehemaligen polnischen Zwangsarbeiterin ist. Ihr gegenüber hatte Krystyna S. große emotionale Schwierigkeiten, die Umstände ihrer Verschleppung zu schildern. Heute lebt sie – gesundheitlich sehr angeschlagen – im Osten Polens. Seit ihrem Zwangsaufenthalt im Marienhospital leide sie unter Kopfschmerzen und Alpträumen und versuche eigentlich nur, diese Zeit zu vergessen.
Das Bistum Osnabrück hat ihr eine kostenlose Behandlung an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte angeboten, die sie jedoch ablehnte. Seither wird ihre Behandlung in Polen finanziell unterstützt. (PA)