Hebammen Kinder mit Diabetes Kinderhospital Osnabrück
Spezielle „Hebammen“ für diabeteskranke Kinder
20. Juli 2008 | 20:02Kinderkrankenschwestern des Kinderhospitals Osnabrück begleiten kleine Patienten und ihre Familien zu Hause.
Dass eine Krankenschwester sogar zum Hausbesuch kommt, war auch Familie Runge aus Melle neu. Und richtig: Diesen Besuchsdienst, der sich Überleitungspflege nennt, bietet in der Region nur das Kinderhospital Osnabrück an. Und zwar für Kinder mit bestimmten Krankheitsbildern, zu denen zum Beispiel Diabetes, Mukoviszidose und Lungenerkrankungen bei Frühgeborenen gehören. Der ungewöhnliche Dienst nennt sich offiziell „Häusliche Krankenpflege von schwerstkranken und -behinderten Kindern“.
„Das ist wie bei den Hebammen“, beschreibt Kinderkrankenschwester Katrin Grautmann das Modell: „Wir unterstützen die Familien bei einer für sie ganz neuen Aufgabe.“ Nach dem Krankenhausaufenthalt betreuen sie die kleinen Patienten zu Hause weiter bis entweder die Familie dazu selbst in der Lage ist oder bis ein ambulanter Pflegedienst eingearbeitet ist. Ziel ist es, der Familie zu vermitteln, wie sie das betroffene Kind im Alltag sinnvoll unterstützen kann.
Bei Magnus Runge stellten die Ärzte Diabetes fest. Der Elfjährige wurde zunächst im Kinderhospital behandelt und anschließend von Katrin Grautmann fünfmal zu Hause besucht. Dabei erklärte sie ihm und den Eltern, wie sie in konkreten Alltagsituationen am besten mit der Krankheit fertig werden können: So haben Magnus und seine Familie zum Beispiel gelernt, möglichst schon vor dem Sport zu essen, damit die Blutzuckerwerte nicht absacken. Die Kinderkrankenschwester hat es nicht immer leicht, die Familien in die Therapie einzubeziehen. Aber bei Famile Runge war sie von Anfang an begeistert: „Alle haben sofort mitgezogen - das ist traumhaft. Alle wissen nun, was zu tun ist.“ Selbst die beiden Brüder (fünf und 13 Jahre alt) sowie die Freunde von Magnus können mit den Teststreifen umgehen. „Wenn alle mit der Krankheit vertraut sind, ist es auch für den kleinen Patienten einfacher, damit klar zu kommen.“
Zum Teil handelt es sich um ganz einfache Dinge, die beherrscht werden müssen: Die richtige Aufbewahrung der Hilfsmittel zum Beispiel. Hier rät Katrin Grautmann der Familie, alles in einem Kasten an einem zentralen Ort aufzubewahren, um es stets griffbereit zu haben. Leider sei eine solche Ordnung nicht immer selbstverständlich.
„Das Kinderhospital Osnabrück bietet die Überleitungspflege Familien von Kindern an, die aus medizinischen Gründen entlassen werden könnten, aber deren Pflege zu Hause noch nicht sichergestellt ist“, so Geschäftsführer Wilfried Siemering. Ambulante Pflegedienste würden durch das Modell nicht ersetzt, sondern es werde eine Pflegelücke geschlossen. Der Vorteil liege darin, „dass die vertrauten Kinderkrankenschwestern gerade in der schwierigen Anfangsphase der häuslichen Pflege weiterhelfen können“. Denn sie „kennen die Familien und die komplexen Pflegemethoden“. An der Überleitungspflege sind verschiedene Institutionen beteiligt, zu denen auch die Krankenkassen gehören. Siemering: „Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene Akteure des Gesundheitswesens Aufgaben auch auf unkonventionelle Weise lösen können. (PA)
Kinderkrankenschwester Katrin Grautmann vom Kinderhospital betreut nach dem Krankenhausaufenthalt die kleinen Patienten wie hier Magnus Runge und seine Mutter zu Hause weiter bis entweder die Familie dazu selbst in der Lage ist oder bis ein ambulanter Pflegedienst eingearbeitet ist (v.l). Foto: privat
