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Archäologie Bickhof wahre Fundgrube Osnabrück

Die Suche nach dem Domkloster und venezianisches Glas

24. November 2008 | 10:59

Ausgrabungen im Bickhof bringen Licht ins Dunkel der Geschichte.

In liebevoller Kleinarbeit erforschen die Archäologen der Stadt Osnabrück die Ursprünge der Stadt im Mittelalter und ihre Entwicklung. Dabei erwies sich vor allem der „Bickhof“ hinter dem Dom als wahre Fundgrube. Bei den Ausgrabungen, die erst in diesem Jahr beendet wurden, konnten sich die Archäologen über vielfältige Funde aus der bewegten Geschichte der Stadt freuen.
Im Schatten des Domes hoften die Archäologen um Grabungsleiterin Ellinor Fischer, vielleicht Mauerreste der ersten Domburg zu finden, da an dieser Stelle die Sandkuppe, auf der die Domburg stand, direkt zu den Haseniederungen abfällt.  Auf Mauerreste sind die Forscher bei ihren Bemühungen tatsächlich gestoßen, allerdings stammten diese aus der Zeit um das Jahr 1000. Sie gehören damit nicht mehr zur ersten Domburg und waren wohl auch keine Festungsmauern. „Zu dieser Zeit begann die Domburg bereits in die sich entwickelnde Stadt aufzugehen. Die gefundene Mauer ist daher mehr als eine Besitzbegrenzung anzusehen.“ Das Alter ihrer Funde lassen die Archäologen mit der „C14-Methode“ bestimmen,bei der die Konzentration des C14-Atoms in einer Probe bestimmt wird. Die Ergebnisses sind auf etwa 40 Jahre genau.
Ein weiteres Indiz für das Alter der gefundenen Mauer ist ihre Lage. Ein Teil liegt unter dem heutigen Chorumgang hinter dem Hochaltar des Domes. Das Fundament, das heute noch als Mauerrest im Boden zu finden ist, muss also deutlich älter als der im 15. Jahrhundert errichtete Chorumgang sein.
Ebenfalls auffällig ist die Lage der Mauer. Sie entspricht in ihrem Winkel genau der Ausrichtung der ehemaligen Missionskirche, die im 8. Jahrhundert die Grundlage der Domburg bildete. „Das deutet darauf hin, dass sich das Gebäude, das auf Teilen der Fundamente gestanden haben muss, sich an einem Gebäude orientiert hat, das bereits zu Zeiten der Missionskirche gestanden hat“,  erklärt Fischer.
Gleiches gilt für den heute noch erhaltene Kreuzgang. Er zeigt ebenfalls die Abweichung von der klassischen Ost-West-Achse des heutigen Doms.
Zu welchen Gebäuden die Mauern einst gehörten lässt sich heute nicht mehr mit Gewissheit sagen. Wahrscheinlich ist, dass sie zu dem urkundlich erwähnten, aber bislang nicht definitiv aufgefundenem Kloster der frühen Domburg gehörten.
Jüngeren Datums sind die Funde, die die Archäologen in den Abfallgruben im Bickhof gefunden haben. Der ehemalige Wirtschaftshof der Domherren hielt für die Forscher eine Vielzahl von Funden aus der Zeit vom 15. bis zum 19 Jahrhundert bereit. Vor allem alltägliche Gebrauchswaren landeten in den Abfallgruben und erlauben heute einen ziemlich genauen Blick auf das Leben der Domherren in jener Zeit.
Besondere Funde waren auch außerhalb des eigentlichen Bickhofes im Garten des Domorganisten Sauer zu machen. Auch dort wurde eine Kloake ausgegraben, in der sich große Mengen Glasscherben fanden. Diese sehr kostspieligen Arbeiten im venezianischen Stil standen im 17. Jahrhundert auf den Tischen der Domherren und werden derzeit in der Stadt-und Kreisarchäologie restauriert.
Für alle, die sich weitergehend mit der Geschichte der Gründung und Entwicklung Osnabrücks im Mittelalter beschäftigen wollen, hat die Stadt- und Kreisarchäologie eine Broschüre veröffentlicht. Anhand von sechs Stationen wird die Geschichte der Stadt leicht verständlich erklärt. Die Broschüre ist für zwei Euro im Museumsshop des Kulturhistorischen Museums, der Dominikanerkirche und dem Forum am Dom erhältlich.    R.S.

Fundamente und Mauern: Die Ausgrabungen im Bickhof  am Dom waren sehr erfolgreich.    Foto: privat


Themen:
Archäologie, Bickhof wahre Fundgrube, Osnabrück
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Titel: Die Suche nach dem Domkloster und venezianisches Glas

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