Diskussionsrunde Fußball Sportfreunde Lotte
„Zum Fußballvorbild gehört mehr als gut kicken!“
30. März 2009 | 09:46Prominente Diskussionsrunde befasste sich mit Profifußballern als Vorbild für die Jugend.
Diese 120-minütige Diskussionsrunde in der Erich-Kästner-Grundschule am Montagabend hätte sicherlich mehr verdient gehabt als die nur rund 60 Zuhörer. SF Lottes Trainer Maik Walpurgis, Exprofi Ansgar Brinkmann, NFV-Vizepräsident Eugen Gehlenborg, VfL-Präsident Dr. Dirk Rasch und Zweitliga-Schiedsrichter Frank Willenborg fachsimpelten gemeinsam mit Moderator Winfried Beckmann kurzweilig über das Thema „Profifußball 2009 - Vorbild für die Jugend?“
Einige wenige Schüler, die dabei waren, machten sich eifrig Notizen und lauschten gespannt den Ausführungen der hochkarätigen Fußballprominenz.
Den Einstieg machte Ansgar Brinkmann, der am Freitag sein Abschiedsspiel gab, mit einer ersten Bestandsaufnahme. „Die Jugend, gerade im Sport, braucht Vorbilder, zu denen ich nicht gehört habe. Aber aus Fehlern kann man ja lernen. Schauspieler, die Elfer schinden, brauchst du nicht auf dem Platz. Die hätte ich früher im Training schon mal härter angepackt. Man muss den Kindern vorleben, dass man nicht um jeden Preis gewinnen muss.“
VfL-Präsident Dirk Rasch, der dem gastgebenden Verein Blau-Weiß Hollage im Sommer anlässlich des 75-jährigen Vereinsbestehens ein Freundschaftsspiel zusagte, hob den sozialen Vorbildcharakter von Profifußballern hervor. „Alle Profis sind eigentlich verpflichtet, sich sozialen Projekten zu verschreiben. Sie genießen das Previleg, Profi zu sein. Wir haben da eigentlich momentan auch einen guten Kader. Joe Enochs als Ehemaliger ist ebenfalls ein super Beispiel.“ Rasch regte an. „Warum soll man den Spielern nicht mal in den Vetrag schreiben, dass sie eine Sprache lernen neben dem Fußballspielen.“
Maik Walpurgis weiß, dass er als Trainer der Sportfreunde Lotte eine Vorbildfunktion für seine Spieler besitzt. „Es ist wichtig, dass ich authentisch bin und meinen Spielern das vorlebe, was ich will. Wenn ich nicht motiviert bin, sind es meine Spieler auch nicht. Das sollte sich jeder Jugendtrainer oder Betreuer beziehungsweise auch die Eltern mal klarmachen. Wichtig ist, dass wir als Trainer Persönlichkeiten entwickeln und aufzeigen, wie ich als Mensch im Leben erfolgreich sein kann.“
Zweitligareferee Frank Willenborg kritisierte die Schauspielerei der Profis, die mit diesem Verhalten auf die Jugend- und Amateurkicker abfärben. „Ein Drogba wurde in England von den eigenen Fans solange ausgepfiffen, bis er das Schwalben sein gelassen hat, das vielleicht als Anregung für deutsche Stadien.“
NfV-Vizepräsident Eugen Gehlenborg engagiert sich für den Fußball, „weil ich das zurückgeben will, was mich am Fußball immer fasziniert hat, das Zusammengehörigkeitsgefühl beispielsweise.
In der Abschlussrunde gab es „Butter bei de Fische“. Wer ist alles ein Vorbild? Willenborg: „Markus Merk. Der hat in so vielen Spielen soviel richtig gemacht und sich für die Indienhilfe engagiert.“ Gehlenborg: „Klaus-Dieter Fischer von Werder Bremen, weil er so authentisch ist. Ansgar Brinkmann: „Mehmet Scholl und Joe Enochs, die engagieren sich sozial sehr viel, ohne das man das mitkriegt.“
Rasch: „Wolfgang Overath und Paul Breitner waren interessante Figuren. Und was der Uli Hoeness geleistet hat, auch wenn ich kein Bayern-Fan bin, davor kann man nur den Hut ziehen.“ Maik Walpurgis: „Die Szene Brehme/Völler 1996, als Völler Brehme tröstete, das war eine vorbildhafte Geste. Als Trainer darf ich vom Alter her noch Vorbilder haben. Für mich José Morinou, ein großer Sportsmann, Taktiker und Motivator.“ P.V.