Forum am Dom Moral und Ethik im Fußball Podiumsdiskussion
Osnabrück - Podiumsdiskussion über Ethik im Fußball
22. Dezember 2009 | 12:48Osnabrück. Der Wettskandal und der Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke haben den Profifußball in Deutschland in den letzten Wochen mächtig durcheinander gebracht. Was verbirgt sich eigentlich hinter der Fassade von Glamour und Personenkult? Diese Frage wird sich so mancher gestellt haben?
Osnabrück. Der Wettskandal und der Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke haben den Profifußball in Deutschland in den letzten Wochen mächtig durcheinander gebracht. Was verbirgt sich eigentlich hinter der Fassade von Glamour und Personenkult? Diese Frage wird sich so mancher gestellt haben?
Zur Moral und Ethik im Fußball machte sich Dienstag eine prominent besetzte Podiumsrunde im Forum am Dom so ihre Gedanken. Die rund 80 Zuhörer bekamen nachdenkliche, aber auch selbstbewusste Ansichten serviert.
Jörg Schmadtke (Sportdirektor Hannover 96): „Wir müssen den Jugendlichen Anstand, Moral, Ehre, Verlässlichkeit vermitteln. Da ist die Familie natürlich der erste Ansprechpartner. Deshalb halte ich es für schwierig, dass diese Werte einem ein anderer erklärt. Ich denke, im Fußball wird viel darauf reduziert, nur den Fußballer zu entwickeln, weniger den Menschen. Da fahren wir, glaube ich, alle die gleiche Schiene und müssen gewaltig aufpasssen. - Ich glaube, wir stehen mit dem Profifußball manchmal auf einem zu hohen Schild. - Wir haben alle zusammen die Augabe, sämtlichst, Fehlverhalten anzuprangern, auch wenn es jemand aus unserem Verein ist!“
Paul Thomik (zur Zeit arbeitsloser Profi, ehemals VfL): „Fairplay, geht das überhaupt im Fußball? Man muss sich im Klaren sein, die 1. und 2. Liga ist ein Haifischbecken, wo das Prinzip „der Stärkere gewinnt „ gilt. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Man muss halt als Profi mental sehr stark sein, sonst hat man in dem Buiseness nichts zu suchen. Was wäre denn, wenn man beim Fußball nur jubelt, es keine Pfiffe gäbe, das wäre doch auch nicht richtig.“
Ansgar Brinkmann (Ex-Profi und Talentscout): „Was wir jetzt mit dem Wettskandal erleben, ist vielleicht ein reinigendes Gewitter. Mir kommt zu kurz, dass der Fußball viel Positives hat. Wenn das die Kirche oder die Politik schafft, sind wir ein Stück weiter.“
Dirk Rasch (Präsident VfL Osnabrück): „Wir müssen aufpassen, dass die wirtschaftlichen Interesse im Fußball nicht zu dominant werden. Zum Thema Marcel Schuon: Wenn einer jung ist, in Abhängigkeiten gerät und der Versuchung erliegt, Spiele zu verschieben - dann muss es ihm sehr schlecht gegangen sein. Ich sehe nicht nur den Fußballer, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient, wenn er seinen Fehler eingestanden hat. - (Vorbilder) Heute wird alles, wirklich alles über die Medien publiziert. Deshalb ist das für die jungen Leute nicht mehr einfach. Wir werden uns in der Winterpause zusammensetzen, wie wir die Thematiken bei uns im Verein angehen können.“
Friederike Chudaske (Frauenfußballerin, ehemals TSG Gretesch): „Der Damenfußball ist von den Problemen nicht so betroffen, weil er noch nicht so populär ist. Mir ist von Depressionen im Frauenfußball nichts bekannt.“
Franz Grave (Weihbischof aus Essen): „Im Fußball ist das momentan die Stunde der Ethik. Man sollte fragen: Was müssen und können wir tun? Einen Menschen abschreiben (Schuon) ist nicht menschlich. Menschlichkeit muss sich in aussichtslosen Situationen bewähren. Deshalb ist Fußball ein wunderbares Einführen in die Menschlichkeit und Solidarität.“
Florian Flatau (stellv. Vorsitzender VfL-Fanclubverband): „Für uns Fans ist wichtig, dass wir uns die schönste Sache der Welt von niemandem kaputt machen lassen.“ P.V.